Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil III

Hier gibt es Teil I und II zum Nachlesen:

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil I

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil II

 

Nicole war sich sicher, dass die junge Mrs. Grudge viel Zeit in die Vorbereitungen des Abschlussballs investiert hatte. Mit Hilfe ihrer Mutter, selber eine begnadete Schneiderin, nähte sie sich ihr eigenes und ganz indiviudelles Kleid. Mit diesem roten Kunstwerk aus Seide und Tüll, das sich eng an ihren schlanken Oberkörper schmiegte und nach unten hin weit ausfiel, zusätzlich geschmückt mit einem dicken weißen Hüftband und einer weißen Stoffblume, die gemeinsam ihre Weiblichkeit betonten, würde sie ganz sicher aus der Menge stechen.Watch Full Movie Online Streaming Online and Download

So war es dann auch. Gregor war vor Staunen zunächst einen Schritt zurück getreten, als sie ihm die Tür öffnete. Olaf warf sowohl Gregor als auch ihr den gesamten Abend giftige Blicke zu und verweigerte ihr jeglichen Tanz. Gregor hingegen war fast geplatzt vor Stolz, solch eine hübsche Lady seinen Eltern vorstellen zu dürfen. Die Blicke aller anderen Mädchen und auch Eltern waren von Neid getränkt – erst recht, als Mrs. G auch noch als eine der Jahrgangsbesten ausgezeichnet wurde.

Marie machte all der Trubel um ihre große Schwester an diesem Abend hingegen nicht viel aus. Obwohl Mrs. G ihr immer wieder mit ihrem wundervollen Kleid vor den Augen herum wedelte, lehnte sie sich entspannt in die liebevollen Arme ihres neuen Freundes, den sie an diesem Abend zum ersten Mal offiziell ausführen durfte – ganz unter der Aufsicht beider Eltern. Mrs. G interessierte sich nur sehr wenig für das neue Liebesglück ihrer Schwester – dies hier war IHR Abend und IHR Schritt in eine großartige Zukunft. Gemeinsam mit Gregor.

Das rote Kleid hatte ihn ganz offensichtlich voll und ganz in Bann geschlagen. Auf dem Heimweg schenkte er Mrs. G ihren ersten Kuss und hielt sie noch lange fest umamt, sodass Mrs. G sich um ihre weiße Stoffblume zu sorgen begann.

Ihre gemeinsame Zukunft sah fantastisch aus. Sie bewarb sich an einigen Modeschulen in Berlin, wo auch er in einer angesehenen Bank seine Ausbildung begann. Der Entwurf ihres roten Kleides schien Mrs. G alle Türen zu öffnen – sie konnte aus vielen Zusagen wählen, wo sie ihre Karriere beginnen wollte. Ihre Eltern bestanden darauf, dass sie nach wie vor zu Hause wohnte und jeden Tag 1,5h Zugfahrt auf sich nahm. Doch Gregor fand schon bald eine schicke 3-Zimmer-Wohnung mit schönen hohen Fenstern, für die Mrs. G sogleich ein paar helle Gardinen zurecht nähte. Auch die Inneneinrichtung orientierte sich am Ende sehr nach ihrem Geschmack.

Schließlich erlaubten ihre Eltern auch, dass sie zwei Mal in der Woche dort schlafen durfte. Nun war es nicht so, dass sie damit zum ersten Mal das Bett mit einem Jungen teilte. Ihre Eltern waren glücklicherweise aufgekklärt genug, um ihr da als Jugendliche nicht zu große Fesseln anzulegen.Doch so viele Kilometer von zu Hause entfernt – da hatte Gregor erst einmal mit regelmäßigen Kaffeebesuchen und aufmerksamen Pralinengesten und netten Herbstspaziergängen beweisen müssen, dass er es auch wirklich ernst meinte.

Mrs. G war in ihrer Zukunft angekommen. Alles lief perfekt. Gregor ließ ihr ihre kreativen Freiräume, das Gästezimmer gestaltete sich wie von alleine zu einem Näh- und Modezimmer. Er mochte es, wenn sie ihm ihre neuen Kreationen vorführte und offensichtlich hatte er guten Geschmack. Seine Favoriten gefielen auch stets den Lehrern. Nur dass er oft erst sehr spät am Abend nach Hause kam, weil ihn seine neue Arbeit so einnahm, missfiel ihr auf Dauer ein wenig. Mrs. G traf sich nur noch selten mit ihren Freundinnen – sie wohnten nun zu weit weg. Zu manchen fand sie auch schlichtweg nicht mehr den Draht wie zu Schulzeiten – zu sehr trifteten ihre persönlichen Leben auseinander. Mrs. G lenkte sich abends oft mit dem Entwerfen neuer Skizzen ab.

 

Nicole schob den Getränkewagen in den schmalen Gang und begann mit einstudiertem Lächeln den Getränkewunsch der Passagiere zu erfragen. Auf dem Flug nach München war die Business Class immer gut gefüllt, sodass ihrem Herzen ausreichend Zeit blieb, in einen sehr nervösen Rythmus zu verfallen, je mehr sich Nicole der Dame in der letzten Reihe näherte. Mrs. G hielt sich krampfhaft an ihrem Buch fest, sodass die Knöchel schon weiß heraus stachen. Erst als der Getränkewagen direkt neben ihr zum Stehen kam, senkte sie langsam ihre Arme, die in dem langen Ärmeln der schwarzen Bluse äußerst dünn wirkten.

Nicole holte Luft. „Was darf ich Ihnen zu trinken anbieten, Mrs. -… gerne darf es eim Glas Sekt sein, wenn Sie mögen“, rettete sie sich im letzten Moment.

„Eine Weißweinschorle genügt, vielen Dank“. Ihre Stimme klang erstaunlich weich. Klar. Ohne ein Kratzen des Alters. Nicole benötigte zwei Sekunden länger als üblich, um der Passagierin ihren Wunsch zu erfüllen. Als sie ihre Hände erneut an den Getränkewagen legte, fühlte sie, wie feucht ihre Innenflächen waren.

 

Fortsetzung folgt…

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