Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil VI

Oh je, dass die Geschichte doch so lang wird, hatte ich nicht erwartet. Hoffentlich komme ich noch zum Ende, bevor der Flieger gelandet ist 🙂

 

Was bisher geschah:

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil I

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil II

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil III

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil IV

Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil V

 

Mrs. G beschloss, den Test zunächst für sich zu behalten und stattdessen den ersten Arztbesuch abzuwarten. Sie wollte erst einmal Klarheit haben, woran sie wirklich war. Ihre aktuell wacklige Beziehungssituation aufgrund von zwei rosa Streifen in Gefahr zu bringen, das war ihr zu heikel.

Die vier Tage bis zum Termin waren die längsten ihres Lebens. Am dritten Abend ging Gregor wortlos aus und kam erst spät in der Nacht wieder. Ihre Gereiztheit sei nicht mehr zu ertragen.

Die Glückwünsche vom Arzt am nächsten Morgen schmiss Mrs. G gleich in die nächste Tonne. Das erste Ultraschallbild jedoch behielt sie zitternd in den Händen. Als Gregor am Abend nach Hause kam, zitterten sie immer noch.

„Wir müssen reden“, sagte Gregor mit ernster Stimme. Ihre Augenbrauen schnellten nach oben.

Zwei Stunden später fiel die Wohnungstür erneut ins Schloss. Die Tritte auf den Treppenstufen verklungen nach einigen Augenblicken. Das laute Pochen von ihrem Pulsschlag in ihren Ohren hielt an.

Er hatte beschlossen zu gehen. Es funktionierte nicht mehr. Ihre Lebensziele waren zu sehr auseinander gedriftet. Auf Arbeit gab es da eine Frau, die würde wahrscheinlich besser zu ihm passen. Er wünschte ihr nur das Beste für ihre Karriere.

Das Ultraschallbild lag noch immer in ihrem Skizzenbuch. Er hatte es nicht zu sehen bekommen.

Mrs. G stand auf, bewegte ihren Körper langsam in ihr Nähzimmer und blieb vor der Puppe mit dem roten Kleid stehen. Eine Weile starrte sie es an. Dann zerrte sie es ruckartig herunter, sodass die Knöpfe am Verschluss abrissen und sich in den Zimmerecken verteilten. Sie schmiss das Kleid auf den Boden, trat mit den Füßen immer und immer wieder danach, nahm es in die Hände und knüllte es zusammen, warf es erneut auf den Boden und schmiss sich schließlich drauf. Ihre Tränen tränkten den zerknitterten Stoff und verliehen dem Kleid einen zweiten Rotton.

 

Nicole musste sich kurz setzen, als sie mit dem Speisewagen wieder vorne ankam. Ihre Kollegin warf ihr einen eigenartigen Blick zu.

„Alles in Ordnung, Nikki?“

Nicole winkte ab. Am liebsten hätte sie ein Fenster geöffnet, um etwas frische Luft zu bekommen. Ein Schluck eiskaltes Wasser musste ausreichen.

 

Fortsetzung folgt…

 

5 Gedanken zu „Mrs. Grudge und das rote Kleid – Teil VI

  1. GOOD MORNING Süße,
    ich habe bisher jede Folge gelesen, aber ich muss gestehen, ich verliere langsam den „roten Faden“. Aber erst mal vorweg: Du schreibst super, sehr detailiert und mitreißend. Gar keine Frage, ich mag Deinen Stil! 🙂 Aber ich bekomme die Strewardess und Mrs. Grudge nicht mehr auf einen Nenner, wenn ich ehrlich bin. Dafür, dass die Strewardess gar nichts über die Frau weiß, ist die Geschichte über Mrs. Grudge meiner Meinung nach viel zu detailiert. Es kommt für den Leser nicht mehr als Vermutung oder Überlegung der Stewardess rüber, sondern als eigene Geschichte, die ansich sehr interessant und unterhaltsam ist, nur eben – für mein Empfinden – nicht mehr in den Rahmen einer Überlegung einer Strewardess passt. Eine Stewardess hat während eines Fluges gar nicht so viel Zeit, sich so detailierte Lebenssituationen auszudenken.

    Die Geschichte der Mrs. Grudge ist inzwischen eine eigene Geschichte. Ich würde sie an Deiner Stelle in eine eigene Story packen – als Kurzgeschichte oder so. Ich habe das Gefühl, dass Du beim Schreiben auch mehr und mehr in die Rolle dieser Frau geschlüpft bist und sie sich verselbständigt hat. 🙂 Vermutlich war die Story anfangs gar nicht so ausführlich geplant, oder? Umso mehr solltest Du es als eigene Story gestalten und diese dann richtig schön ausschmücken. Denn die Story ansich ist super und liest sich prima! 🙂

    Ich hoffe, Du nimmst mir meine Worte nicht übel, denn wie gesagt, ich mag Deine Texte und ich mag Deinen Schreibstil und ich finde sehr viel von Dir darin wieder. Für mich passt nur der Rahmen mittlerweile nicht mehr zur Story.
    Mich würde interessieren, wie die anderen das sehen. Vielleicht liege ich ja auch völlig alleine mit meiner Meinung! 🙂 In diesem Fall: Just ignore me and disregard everything after GOOD MORNING! 😉

    • Hallo meine Liebe!
      Erstmal: ich danke Dir ganz doll für Dein ehrliches Feedback! Und ich nehme Dir Deine Worte ganz sicher NICHT übel! Dafür ist der Blog doch da!

      Abgesehen davon hast Du wahrscheinlich auch nicht ganz unrecht 😉 Als ich anfing zu schreiben, hatte ich etwas viel Kürzeres im Sinne. Irgendwie hat das das rote Kleid ein ganz schönes Eigenleben entwickelt! *lach* Aber Konzepte sind da, um überarbeitet zu werden – und der Leser hat am Ende immer Recht 😉

      Ich werde die Geschichte erst einmal so fertig schreiben – aber mir dann noch mal überlegen, was ich nun wirklich damit anstelle. Bzw. mit der Rubrik. Das „Kurz fassen“ mag mir nach wie vor nicht so recht gelingen 😉

      Und ich freue mich auch sehr, dass Du trotzdem noch mitliest! Und dass es Dir nach wie vor gefällt 🙂 Das motiviert ungemein!

      Liebe Grüße,
      Katharina

  2. Ich finde die Geschichte toll und linse sehr oft hier, ob es schon eine Fortsetzung gibt. Du beschreibst die Chraktere so genau, man kann die Anspannung von Ms. Grudge und die Mitgerissenheit Nicole’s regelrecht spüren – und das mag ich sehr an Deiner Erzählweise. Klar, die Geschichte ist keine Kurzgeschichte mehr, aber das stört mich nicht. Ganz im Gegenteil, ich bin gespannt, wie es weiter geht!!

    • Liebe Niki, vielen lieben Dank für Deine Meinung! Das rührt mich! Ich muss die Geschichte endlich, endlich fertig bekommen – weitere Passagen sind schon längst geschrieben 😉 Aber ich warte immer noch ein paar Tage, um noch mal drüber zu lesen, ob es wirklich passt. Trotzdem, ich muss das mal etwas beschleunigen, sonst werde ich ja nie fertig!

      Vielleicht läse sich die Geschichte auch flüssiger/runder, wenn man es an einem Stück in einem Büchlein hätte – und es nicht immer so geteilt, mit vielen Tagen Pause dazwischen…

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